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  • Liebe, Partnerschaft und Singlezeit

  • Positive Alltags- und Berufsbewältigung / Work-Life-Balance

  • Lebensabschnitte aktiv gestalten und genießen

  • Selbstbestimmt und glücklich dem Leben entgegentreten

Beziehung - Thomas Groinig

 „Du und ich – wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen“, Mahatma Gandhi (1)

 

So vielfältig in Intensität, Würze und Aroma wie so manches Kaffeesortiment gestaltet sich der Raum zwischen menschlichen Individuen. Je konkreter dieser Beziehungsraum wird, desto emotionaler und in der Intimität auch erotischer füllt und fühlt er sich an.

Doch was treibt uns an, solch einen Beziehungsraum aufzubauen und zu betreten? Das Bedürfnis nach Nähe, nach Liebe, die Lust auf sexuelle Begegnung?

Wir folgen dem Grundimpuls nach Kontakt, dem Grundbedürfnis nach Verbindung, dem tiefen Verlangen nach Eins-Sein mit uns selbst, dem Gegenüber und dem ganzen Universum. Wir sind in Beziehung geboren, in Beziehung verletzt und werden in Beziehung geheilt. – Wir sind Beziehung!

Damit sind wir auch der Raum in der Beziehung und zwischen den Beziehungspartnern. Martin Buber(2) bezeichnet diesen Zwischenraum, diesen kleinen Bindestrich zwischen „ICH-DU“ in seiner dialogischen Weltsicht als den wesentlichen Raum der persönlichen menschlichen Entwicklung, unseres Wachstums, unserer Reifung bis zur Ganzwerdung.

So wählen wir auch unseren Partner, unsere Partnerin aus dem defizitären Wunsch heraus uns ganz zu fühlen und mit dem Auftrag uns ganz zu machen. Er oder sie soll die Lücken füllen, die dadurch entstanden sind, dass wir unsere ursprüngliche Ganzheit und Verbundenheit im Zuge des Heranwachsens, der Sozialisierung geopfert haben. Wem geopfert? Geopfert der Konformität, den Anforderungen der Gesellschaft, der bedingten Zuwendung unserer Eltern und Bezugspersonen.

Partnerwahl – nochmals aufgebrühter Kaffee

Schon fängt uns das Aroma des Gegenübers. Es umspielt uns, wir kennen es gut. Vielleicht den belebenden Duft, den bitteren Genuss am Gaumen, den bröseligen Sud zwischen den Zähnen, wenn‘s zu Ende geht? Doch woher ist er oder sie uns so vertraut, nimmt uns so in den Bann?

Wir wiederbeleben unbewusst ein Spiel, dass noch nicht zu Ende ist. Wir kennen es aus unserer Kindheit mit unseren Eltern oder entsprechenden Bezugspersonen. Wir waren damals die Verlierer dieses Spieles, noch zu klein, zu wehrlos, zu abhängig. Und so suchen wir uns nun neue Mitspieler, nennen wir sie hier Partner und Partnerin, die die Spiele unserer Kindheit erneut mit uns durchleben. Um zu vervollständigen, was uns damals nicht gelungen ist: die kindlichen Interaktionen mit unseren Eltern in unserem Sinne zu Ende zu bringen, zu gewinnen.

Worum ging es damals? Von unseren Eltern gehört, gesehen, verstanden und geschätzt zu werden!(3) Viel zu oft wurde dies den meisten von uns versagt und so tragen wir deutliche Kindheitsverletzungen mit uns bis ins Erwachsenenalter hinein. Diese Wunden sind in Beziehungen entstanden und um sie zu schließen, zu heilen braucht es genau die Qualitäten, die uns in der Kindheit so sehr gefehlt haben: gehört, gesehen, verstanden und geschätzt zu werden – ohne Bedingungen, ohne Pakte, ohne Gegenleistungen. Einfach, weil wir es wert sind geliebt zu werden wie wir sind. Um das zu erfahren braucht es neue Beziehung.

Partnerwahl – die perfekte Mischung macht das Aroma

Wir geben uns redliche Mühe bei der Wahl des richtigen Partners, der perfekten Partnerin die uns heilen sollen. Wir sondieren, taktieren, gustieren – bis wir die richtige Mischung gefunden haben. Doch wie sieht diese perfekte Zusammensetzung aus, die den Traumpartner, die Traumpartnerin ausmacht? Wir tragen ein klares Bild von ihm oder ihr in uns mit, ständig und unbewusst. Wir scannen unser Gegenüber und gleichen es mit diesem Bild ab, unablässig. Mit dem Bild der positiven und vor allem negativen Eigenschaften unserer ersten Bezugspersonen, meist der Eltern und Geschwister – unserem Imago(4). Wenn das Gegenüber damit in Deckung geht eröffnen wir die Beziehung und somit das Spiel aus unserer Kindheit von neuem und die Beziehungsdynamiken aus dieser Zeit sind wiederbelebt. Wir geben dem Partner, der Partnerin den unbewussten Auftrag unsere Kindheitsverletzungen zu heilen.

Die Fragen zu diesem Zeitpunkt: was gibt es bei diesem Spiel zu gewinnen, lohnt der Einsatz und wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? Und vor allem, auf welches Aroma, auf welche Sorte Kaffee habe ich heute Lust?

 

(1) Mohandas Karamchand genannt Mahatma Gandhi (1869 – 1948) war ein indischer Rechtsanwalt, Widerstandskämpfer, Revolutionär, Publizist, Morallehrer, Asket und Pazifist.

(2) Martin Buber (1878 – 1965) war ein österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph.

(3) Buchtipp: „So viel Liebe wie du brauchst“, Dr. Harville Hendrix und Helen Hunt

(4) Imago ist eine von Dr. Harville Hendrix, seiner Frau Helen Hunt und anderen Psychotherapeuten entwickelte spezielle Form der Paartherapie, die aufgrund ihrer Behandlungserfolge weltweit verbreitet ist.

Bildnauchweis: Oliver Thaler/Pixelio.de

 

Umarmung bis zur Entspannung - Thomas Groinig

Die Umarmung bis zur Entspannung ist eine wunderbar einfache Methode mit der Sie lernen können, Ihre Angst zu regulieren, zur Ruhe zu kommen und im unmittelbaren Kontakt mit dem Partner an sich selbst festzuhalten und damit eine Verbindung zu Ihrem Partner entstehen zu lassen.

Wenn Sie bei der Umarmung bis zur Entspannung eine bestimmte Stufe erreicht haben, wird es Ihnen mühelos gelingen, sich auf sich selbst zu konzentrieren und Ihre Mitte zu finden. Sie sind nicht mehr darauf fixiert, was wohl in Ihrem Partner vor sich geht und fragen sich nicht ständig, was er denk und ob er sich unwohl fühlt. Anstatt Ihre Nervosität nur zu unterdrücken, finden Sie zu einer tiefen inneren Ruhe.

Falls Sie in Ihrer Paarbeziehung nie oder nur selten eine entspannte Verbundenheit erleben, werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie sich bei der Umarmung bis zur Entspannung ganz „kribbelig“ fühlen. Wahrscheinlich sind Sie ebenso angespannt wie Ihr Partner. Das kommt daher, dass Sie mit dem in Berührung treten, was einer echten Verbundenheit im Weg steht.

Die Auseinandersetzung mit Ihrem Widerstand gegen die Entspannung kann Sie im Prozess zu mehr Intimität voranbringen.

Erst wenn Sie das Niveau Ihrer Grundspannung unterschreiten, merken Sie im Rückblick, wie angestrengt Sie waren. Falls Sie noch nicht über genügend innere Stabilität verfügen, werden Sie bei der Umarmung bis zur Entspannung feststellen, dass sich ab einer gewissen Entspannungstiefe Angst in Ihnen regt, und zwar entweder allmählich oder ganz plötzlich. Das kommt daher, dass Sie an die Grenzen Ihrer Fähigkeit gelangt, sind, Ihre Ängste selbst zu regulieren. Der Versuch, die permanente emotionale Radarkontrolle abzuschalten, löst Unbehagen aus. Die Umarmung bis zur Entspannung ruft, so unspektakulär sie scheine mag, viele Emotionen wach und kann vieles in Bewegung bringen.

Dabei arbeiten Sie Vergangenes im Hier und Jetzt auf und entwickeln Ihre Fähigkeit weiter, sich selbst Halt zu geben. Wir alle leben in einer gewissen Grundspannung. Viele ignorieren, solange sie in der Lage sind zum Orgasmus zu gelangen, die Ängste, die Sexualität und Intimität eigentlich in ihnen auslösen. Wenn Sie Sexualität ohne Angst niemals erlebt haben, nehmen Sie einfach an, dass die Angst dazugehört. Persönliche Reife zeigt sich darin, dass Sie Ihrem Partner ganz nahe sein können – ob nun bei einer Umarmung oder beim Koitus – und dabei eine tiefe innere Ruhe erleben, sich mit sich selbst im reinen fühlen und eine innige Verbundenheit mit dem Partner spüren. Dies ist der Weg zur Entfaltung Ihres sexuellen Potentials.


Anleitung

  • Stehen Sie auf eigenen Füßen
  • Legen Sie die Arme um Ihren Partner
  • Konzentrieren Sie sich auf sich selbst
  • Beruhigen Sie sich – werden Sie viel ruhiger

Falls Sie von der Unterstützung durch Ihren Partner abhängig sind, müssen Sie sobald er einmal aus dem Gleichgewicht gerät, entweder an ihn klammern oder ihn ganz loslassen. Sie müssen ständig auf der Hut sein, weil Sie darauf angewiesen sind, dass er „für Sie da ist“. Solange er aus dem Gleichgewicht ist, können Sie sich auf keinen Fall entspannen, ob er Ihnen nun Halt zu geben versucht oder nicht. Wenn der Partner Sie stützt, müssen Sie fortwährend ein Auge auf ihn haben. Wenn er eine Bewegung macht, fühlen Sie sich sofort instabil, ja bedroht. Ob Sie im Gleichgewicht sind hängt von den Schwächen des Partners ebenso ab wie von Ihren Stärken. Wenn Sie in Ihrer inneren Stabilität auf Ihren Partner angewiesen sind, bleibt Ihnen nichts übrig, als ihn ständig zu überwachen und unter Kontrolle zu halten. Kurzum, Sie können sich nie entspannen.

Dagegen nehmen Menschen, deren innere Stabilität in ihnen selbst gründet, zwar die Bewegungen des Partners wahr, lassen sich aber relativ wenig davon beeinflussen. Sie bringen einander nicht so leicht aus dem Gleichgewicht und können sich sogar gegenseitig ermuntern, sich nach Belieben zu bewegen.

Wenn Ihr Partner Sie aus dem Gleichgewicht zieht oder schiebt, weil er sich zu sehr auf Sie stützt oder vor Ihnen zurückweicht, wird Ihnen das nicht viel ausmachen, wenn Sie fest auf Ihren eigenen Füßen stehen. Lassen Sie einfach los, während Sie am selben Fleck verharren, konzentrieren Sie sich auf Ihre innere Mitte, machen Sie gegebenenfalls wieder einen Schritt nach vorn und setzten Sie von neuem zur Umarmung an.

Die Umarmung bis zur Entspannung macht deutlich, dass die Verbundenheit mit dem Partner einen stabilen Kontakt zu sich selbst voraussetzt. Der erste Schritt muss nach innen gehen, um den Kontakt mit uns selbst herzustellen.

Atmung

Wenn beide in ihrem eigene Rhythmus bleiben, kann es gar nicht ausbleiben, dass sie mal synchron atmen und mal nicht. Sie empfinden die Verschiedenheit aber nicht als einsam oder schmerzlich, weil keiner von beiden sich um der Gemeinsamkeit willen von sich selbst entfremdet hat. Nicht nur die Phasen des Miteinanders, sondern auch die Phasen des Getrenntseins sind gelassen.

Umgang mit Problemen, die während der Umarmung bis zur Entspannung auftreten können

Wahrscheinlich müssen Sie Ihre Position etwas verändern, während Sie sich zu entspannen beginnen, damit Sie sich beim Stehen auf eigenen Beinen wohl fühlen und zugleich besser mit dem Partner „zusammenpassen“. Falls Sie aber beide dazu neigen, übertrieben sensibel aufeinander zu reagieren, missdeutet der Partner Ihre Bewegungen leicht so, dass Sie aufhören möchten. Er bricht die Umarmung dann vielleicht ab, obwohl Die doch genau das Gegenteil wollen. Bleiben Sie dann in der Umarmung, beruhigen Sie sich selbst und sagen sachte etwas, wie: „Ich suche nur eine bequemere Position. Ich würde mit dir gerne noch ein wenig so bleiben.“

Viele brauchen für das Anpassen ihrer Körperhaltung offenbar eine „Erlaubnis“, weil sie sich nicht klarmachen, dass es im Interesse beider ist. Für ein Anpassen der Position bleibt so lange kein Raum, wie die Partner derartige Bewegungen als persönliche Zurückweisung interpretieren. Treten Sie, um innerlich zu Ruhe zu kommen, in einen imaginären Dialog: Es ist Unsinn, ständig zu denken: „ Du wirst mich zurückweisen.“ Jedoch: „Ich will darauf achten, was wirklich zwischen uns geschieht.“ Rufen Sie sich dies in Erinnerung, wenn Ihr Partner zuckt, loslässt oder seine Körperhaltung verändern will.

Eine zweiminütige Umarmung ist für viele eine kleine Ewigkeit, aber gewöhnlich dauert es mindestens so lange – manchmal auch zehn oder zwanzig Minuten, bis sich eine innige, entspannte Verbundenheit aufgebaut hat.

Vorübung: Differenzierungsstand

Stellen Sie sich in etwa einem halben Meter Abstand einander gegenüber. Legen Sie die Handflächen gegen die des Partners, so dass die Ellbogen bequem seitlich am Brustkorb anliegen. Achten Sie darauf, dass Ihr Körperschwerpunkt über den Füßen liegt. Entspannen Sie sich und nehmen Sie wahr, wie sich Ihre Verbindung zueinander anfühlt.

Beachten Sie nun, was geschieht, wenn Sie sich auf die Stabilität der Beziehung und des Partners „verlassen“: Machen Sie einen Schritt zurück und lehnen Sie sich nach vorn. Wenn Sie noch immer sicher sind, dass gegenseitiges Sichstützen, Vertrauen und Verbindlichkeit die Schlüssel zu einer guten Paarbeziehung sind, dann machen Sie noch einen Schritt voneinander weg. Wie erleben Sie die Position, fühlen Sie sich wohl dabei? Wenn Sie und Ihr Partner nun wieder nach vorn gehen, so dass beide sich selbst Halt geben können, wie empfinden Sie dann diese Position?

 

Die Idee zu diesem Artikel stammt aus dem Buch "Die Psychologie sexueller Leidenschaft" des führenden amerikanischen Sexualtherapeuten David Schnarch. Bildnachweis: Dieter Schütz/Pixelio.de

 

Leben in Balance - Thomas Groinig

Psychologische Beratung ist besonders dann sinnvoll, wenn sie in einer schwierigen Situationen stecken bzw. vor schweren Entscheidungen stehen. Die verbreitetste Art der Beratung ist psychologische Beratung für Einzelpersonen, aber auch Paare, Familien und Teams  unterstütze ich beim Erarbeiten von Lösungen und Veränderungsmöglichkeiten.

Ich berate und begleite Sie bei

  • Bewältigung von Krisen und schweren Situationen
  • Berufsentscheidungen und Bewerbungsstrategien
  • Umgang mit Stress, Überforderung und Krankheit
  • Verlustbewältigung und Einsamkeit
  • Erkennen eigener Potenziale und Ressourcen
  • Entscheidungsfindung und Arbeit an persönlichen Zielen
  • Steigerung der Motivation und Leistungsfähigkeit
  • Arbeit und Privatleben im Einklang (Work Life Balance)
  • Fragen zu Partnerschaft, Ehe, Patchwork und Singleleben
  • Fragen zur Sexualität und sexuellen Problemstellungen
  • uvm.


Lebens- und Sozialberatung ist kein Ersatz für medizinische Behandlung sowie Psychotherapie.

 

Foto: twiinlili / pixelio.de